Schädigen Depressionen das Gedächtnis?

Schädigen Depressionen das Gedächtnis?

Viele Menschen mit Depressionen klagen über Probleme mit dem Kurz- oder sogar dem Langzeitgedächtnis. Aber ist daran wirklich die Depression Schuld oder haben die Gedächtnisprobleme vielleicht andere Ursachen? Könnten es zum Beispiel Nebenwirkungen der Antidepressiva sein? Die medizinische Forschung hat in den letzten Jahren tatsächlich Hinweise darauf gefunden, dass Depressionen das Gedächtnis schädigen können und was dafür wahrscheinlich verantwortlich ist.

Depressionen gehörten schon immer zu den quälendsten und gefürchtetsten seelischen Erkrankungen. Doch ein Trost blieb immer: Depressionen sind gut zu behandeln – und es bleibt nichts zurück. Das stimmt im Großen und Ganzen auch immer noch. Durch umfangreiche Studien weiß man heute jedoch, dass kognitive Defizite – vor allem Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen – nicht nur während der akuten Depression auftreten, sondern auch im weiteren Verlauf, vielleicht sogar für den Rest des Lebens bleiben können.

Depressionen beeinträchtigen Denken, Konzentration und Gedächtnis

Es ist heute wissenschaftlich erwiesen, dass Depressionen häufig die Denkabläufe blockieren, die Konzentrationsfähigkeit herabsetzen und deutliche Gedächtnisstörungen hervorrufen können. Ja schwere Depressionen können das Gedächtnis so stark beeinträchtigen, dass die Folgen wie eine Demenz erscheinen. Das Ausmaß dieser Folgen hängt dabei von der Schwere der depressiven Erkrankung ab und von der Häufigkeit ihres Auftretens. Und es betrifft vor allem Depressionen im höheren Lebensalter, denn hier scheinen kognitive Defizite am ehesten fort zu bestehen.

Besonders bei älteren Menschen muss eine nachlassende geistige Leistungsfähigkeit also nicht unbedingt auf eine beginnende Demenz hinweisen. Auch eine Altersdepression könnte dafür die Ursache sein. Deshalb sollte unbedingt ein Facharzt, etwa ein Neurologe oder ein Psychiater, mit Tests und eingehenden Untersuchungen eine Demenz gegen eine Depression abgrenzen. Denn eine Depression lässt sich auch im Alter erfolgreich behandeln. Und die durch die Depression hervorgerufenen Beeinträchtigungen bilden sich bei angemessener Therapie weitestgehend wieder zurück. Egal in welchem Alter, die Heilungschancen sind umso besser, je früher die Behandlung begonnen wird.

Eine besonders gut verträgliche Methode, die sich auch gut mit antidepressiv wirkenden Medikamenten kombinieren lässt, ist die Programmierte Photostimulation.

Ursachen für Gedächtnisstörungen durch Depression

Bisher wusste niemand genau, warum Depressionen zu Gedächtnisproblemen führen, und es gab verschiedene Theorien dazu. Es wurde z.B. vermutet, dass depressive Patienten einfach nicht genug Motivation haben, sich etwas zu merken. Heute weiß man, dass eine Depression genau die Teile des Gehirns schrumpfen lässt, die für das Gedächtnis entscheidend sind. So konnten Forscher der Universität Sydney anhand der Daten von über 1700 Depressiven und 7200 Kontrollpersonen die Auswirkungen der Depression auf das Gehirnvolumen feststellen. Sie fanden heraus, dass die depressiven Versuchspersonen einen kleineren Hippocampus aufwiesen als die gesunden Kontrollpersonen. (Der Hippocampus ist die Gehirnregion, die für die Gedächtnisspeicherung verantwortlich ist.) Die Unterschiede im Gehirnvolumen zeigten sich allerdings nur, wenn die Versuchspersonen unter einer wiederkehrenden Form der Depression litten oder die Erkrankung schon vor dem 21. Lebensjahr erstmals auftrat. Bei der Kontrollgruppe und den Personen mit nur einer depressiven Episode war der Hippocampus normal ausgeprägt. Das weist darauf hin, dass tatsächlich eine wiederholte Depression für die Volumenänderung verantwortlich ist. Man konnte jedoch noch nicht herausfinden, wie diese Veränderungen des Hippocampus-Volumens genau entstehen.

Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig eine rasche und effektive Therapie für junge Menschen ist, um eine wiederkehrende Depression zu verhindern und Veränderungen des Gehirns vorzubeugen.

Mehr über die Therapie von Depressionen erfahren Sie hier.

Quellen:

Spektrum der Wissenschaften
Nature

2 Kommentare

  1. 24.10.2016

    Vielen dank für den tollen Artikel und die ausführliche Information. Die Informationen sind für mich sehr hilfreich.

    Gruß Anna

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