Die bipolare Störung

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Was ist eine bipolare Störung?

Die bipolare Störung (früher auch manisch-depressive Erkrankung genannt) ist eine ernstzunehmende psychische Erkrankung. Sie kann ein regelrechter Karriere- und Beziehungskiller sein, ja sogar durch Suizid zum Tod führen. Sie sollte also unbedingt und möglichst frühzeitig vom Facharzt behandelt werden. Hier beschreiben wir die Symptome der bipolaren Störung und die medikamentösen und nicht-medikamentösen Behandlungs-möglichkeiten.

Betroffene mit bipolarer Störung pendeln zwischen extremen Phasen der Hochstimmung (Manie) und der Niedergeschlagenheit (Depression). Dazu kommen bei manchen Patienten noch psychotische Symptome (siehe unten).

Häufigkeit und Verlauf der bipolaren Störung

Bipolare Störungen treten bei etwa 2 bis 3% der Bevölkerung auf – gleich wahrscheinlich bei Männern und Frauen. Der Beginn der Erkrankung liegt häufig bereits im jugendlichen und jungen Erwachsenenalter. Da Krankheitsverlauf und -ausprägung bei den einzelnen Patienten aber komplex und sehr unterschiedlich sein können, wird die Erkrankung mitunter erst nach Jahren richtig erkannt und therapiert.

Wie erwähnt, ist die Krankheit nicht ungefährlich, die Betroffenen haben ein vielfach erhöhtes Suizidrisiko. Laut einigen Studien ist die Suizidrate bei bipolaren Störungen mehr als 20mal so hoch als im Bevölkerungsdurchschnitt. Außerdem gehören bipolare Störungen laut WHO zu den zehn Krankheiten, die weltweit am meisten zu dauernder Behinderung führen.

Die Symptome der bipolaren Störung

Bei der bipolaren Störung unterscheidet man die manischen und die depressiven Phasen. Dazu können bei einigen Patienten auch psychotische Symptome kommen.

Kennzeichen manischer Phasen:

  • ein gesteigertes Gefühl von Euphorie, Überlegenheit und Hochgefühl.
  • übermäßiges Selbstbewusstsein, übersteigertes Selbstwertgefühl
  • eingeschränkte Urteilsfähigkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten und leichte Ablenkbarkeit
  • der Patient ist energiegeladen, redet viel und schnell
  • Gedankenrasen, spontane, oft bizarre Ideen werden sofort ausgeführt
  • der Patient kann riskantes Verhalten zeigen, sexuell überaktiv sein (gesteigerte Libidosexuelle Lust und Begehren), zum übermäßigen Gebrauch von Alkohol und anderen Drogen neigen oder sich absichtlich in Gefahr begeben
  • er verschwendet Geld an unnötige oder sinnlose Einkäufe
  • möglicher Leistungsabfall in Schule und Beruf

Die manischen Phasen hält der Patient (und oft auch seine Umgebung) nicht für krankhaft, sondern im Allgemeinen für normal. Da viele Bipolare in Phasen mit nur geringer manischer Ausprägung (hypomanisch) besonders leistungsfähig und kreativ sein können, wird dieser Zustand mitunter sogar als wünschenswert angesehen.

Kennzeichen depressiver Phasen:

  • ein Gefühl erdrückender Hoffnungslosigkeit, Schwermut, Trübsinn, völliger Verzweiflung und Traurigkeit tritt unvermittelt auf und kann bis zu Suizidgedanken führen.
  • typisch sind Schlafprobleme verschiedener Art (Einschlaf-, Durchschlafschwierigkeiten, extrem frühes Erwachen),
  • ständige Müdigkeit und Antriebslosigkeit (viele Patienten verbringen den Großteil des Tages im Bett)
  • Angst vor ansonsten trivialen Dingen
  • Schuldgefühle
  • Änderung des Essverhaltens und damit ungewöhnliche Gewichtszu- oder -abnahme
  • Keinerlei Vergnügen an Dingen, sie sonst Spaß machen
  • Geringe Aufmerksamkeitsspanne, Unfähigkeit sich auf etwas zu konzentrieren
  • völlige Unfähigkeit zu arbeiten oder zumindest deutlicher Leistungsabfall

Normalerweise wird die depressive Phase sowohl vom Patienten selbst, wie von seiner Umgebung als nicht normal, ja sehr belastend empfunden und so zuerst diagnostiziert. Es gibt jedoch auch bipolare Patienten, die keine oder kaum depressive Phasen zeigen.

Psychotische Symptome

Psychotische Symptome sind allgemein so charakterisiert, dass die Patienten Fantasie und Realität nicht mehr unterscheiden können:

  • Wahnvorstellungen
  • Halluzinationen
  • Patient denkt oder glaubt an Dinge, die nicht real sind

Psychotische Symptome können sowohl in den manischen, wie in den depressiven Phasen auftreten; sie können aber auch ganz fehlen.

Ständiges Auf und Ab

Das Charakteristikum der bipolaren Störung ist der Wechsel zwischen der manischen und der depressiven Phase und immer wieder dazwischen liegenden symptomfreien Phasen. Dieser Wechsel kann innerhalb von Tagen, Wochen oder Monaten geschehen, also z.B. einige Monate Manie, einige Monate Depression und dann eventuell mehrere Jahre symptomfreie Zeit. Die Wechsel können aber auch sehr schnell auftreten, im Extremfall innerhalb von Stunden, ja es kommen sogar Mischformen aus Manie und Depression vor.

Auslöser für manische oder depressive Phasen sind oft einschneidende Lebensereignisse, wie Tod eines nahestehenden Menschen, Arbeitsplatzverlust, Wohnungswechsel, Heirat, Stress oder Konflikte in der Partnerschaft, im Privatleben oder Beruf.

Therapie der bipolaren Störung

Die bipolare Störung ist nicht heilbar, man kann aber das Auftreten der Zyklen unterdrücken (Phasenprophylaxe). Dafür verwendet man vor allem Lithium oder AntiepileptikaMittel gegen Epilepsie:

Lithium

LithiumLithium ist ein chemisches Element ähnlich Natrium und Kalium, verwendet wird das Salz Lithiumcarbonat ist das gebräuchlichste Medikament bei bipolarer Störung, es gilt als das wirksamste Mittel gegen langfristige Stimmungsschwankungen und vermindert die Suizidgedanken, wirkt aber nicht antidepressiv. Lithium muss lebenslänglich täglich eingenommen und die Lithium-Konzentration im Blut muss genau eingestellt und regelmäßig kontrolliert werden. Ist sie nämlich zu hoch, wirkt Lithium giftig, ist sie zu niedrig, zeigt es keine therapeutische Wirkung. Lithium hat eine Reihe von Nebenwirkungen, z.B. Händezittern und Gewichtszunahme. Da es außerdem Niere und Schilddrüse schädigen kann, muss auch die Funktion dieser Organe regelmäßig kontrolliert werden.

Antiepileptika

Unter den AntiepileptikaMittel gegen Epilepsie gilt Lamotrigin als sehr wirksam gegen bipolare Depressionen, hat aber keine belegten Effekte gegen Manien. Carbamazepin und Valproinsäure wirken hingegen fast ausschließlich gegen Manien.

Neuroleptika

Neuroleptika werden bei manischen oder psychotischen Symptomen und stark verwirrtem Verhalten eingesetzt. Einige sogenannte atypische Neuroleptika sind zur Kombinationsbehandlung mit Antiepileptika oder Lithium zugelassen. Olanzapin und andere atypische Neuroleptika können z.B. bei einer akuten manischen Phase auch als Phasenprophylaktikum gegeben werden. Unerwünschte Nebenwirkungen von Neuroleptika sind u.a. Gewichtszunahme, Verstopfung und Sehstörungen

Psychotherapie

Ergänzend zur medikamentösen Behandlung werden auch psychotherapeutische Methoden bei der bipolaren Störung eingesetzt, v.a. eine auf die Erkrankung abgestimmte Verhaltenstherapie. Dadurch soll der Patient die Schlüsselauslöser der Phasen identifizieren und erkennen, wenn Frühwarnzeichen einer Manie oder Depression auftreten. Außerdem soll er lernen, an den Faktoren zu arbeiten, die ihm helfen, den Normalzustand so lang wie möglich zu erhalten.

Programmierte Photostimulation

Auch die Programmierte Photostimulation (PPS) kann Patienten mit bipolarer Störung helfen. Die PPS ist ein neuartiges Verfahren, das nach bestimmten Prinzipien, die sich an neurophysiologischen Grundlagen der bipolaren Erkrankung orientieren, Licht definierter Wellenlängen differenziert auf die Augen bringt Über das Auge gelingt so eine differenzierte Neurostimulation mit Beeinflussung betroffener Hirnregionen. Die Effekte werden mittels einer EEG-Aufnahme gemessen und zeigen interessanterweise, dass das Gehirn bei depressiven Zuständen eher im Sinne einer Stimulation und bei manischen Zuständen eher mit Dämpfung fehlregulierter Regionen reagiert. Somit trägt die PPS zur Heilung bei und hilft, Medikamente einzusparen und deren Nebenwirkungen, wie Gewichtszunahme, zu vermeiden.

Auch nach Abklingen akuter Krankheitsphasen vermag die PPS zur Stabilisierung und Vorbeugung beizutragen, wobei sie hier meist in größeren Zeitabständen von bis zu 4 Wochen angewandt wird.

Mehr über die Programmierte Photostimulation erfahren Sie hier…